Kokain in München:
Was droht wirklich?

München hat sich zu einer Kokain-Hauptstadt entwickelt. Selbst in den eigenen Reihen der Polizei hat es Dealer gegeben. Die Politik ist machtlos. Die Justiz überreagiert. Rechtsanwalt Mario Jagar empfiehlt bei einem BtMG-Tatvorwurf sofort Kontakt zu einem Strafverteidiger aufzunehmen.

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Urteil des AG München: Strafe auch bei Kleinstmengen Kokain

Das Amtsgericht München hat am 05. Oktober 2023 entschieden, dass selbst eine minimale Menge Kokain in München bestraft wird. Das Urteil wurde am 22. Januar 2024 von der Pressestelle des Amtsgerichts München veröffentlicht.

Urteil AG München Az. 1125 Cs 366 Js 138430/23 · 05.10.2023
Quelle: justiz.bayern.de
0,13 g
Kokaingemisch
(40 % Wirkstoff)
60
Tagessätze
Geldstrafe

Was das Gericht begründete

Auch wenn der Umstand, dass es sich bei Kokain um eine harte Droge handelt, bei Eigenkonsum nicht strafschärfend herangezogen werden kann [...] wäre es schlicht nicht hinnehmbar, wenn die Staatsgewalt durch ein Absehen von der Strafe den Eindruck vermitteln würde "Einmal ist Keinmal".

Das Gericht lehnte sowohl das Absehen von Strafe nach § 29 Abs. 5 BtMG als auch eine Verwarnung mit Strafvorbehalt nach § 59 StGB ausdrücklich ab. Begründung: Kokain habe eine besondere Gefährlichkeit, eine überdurchschnittliche Suchtgefahr und eine hohe Rückfallquote.

Der Angeklagte wurde in der Gegend um den Münchner Hauptbahnhof kontrolliert. Er hatte 0,13 Gramm Kokaingemisch mit einem Wirkstoffgehalt von 40 % bei sich. Das entspricht etwa 0,052 Gramm reinem Kokain. Er war nicht vorbestraft und gab an, erstmals mit einer erlaubnispflichtigen Droge in Kontakt gekommen zu sein.

Trotzdem: 60 Tagessätze Geldstrafe. Das bedeutet zwei Monatsgehälter. Und: Die Verurteilung wird im Bundeszentralregister eingetragen. Bei mehr als 90 Tagessätzen würde sie auch im Führungszeugnis erscheinen. 60 Tagessätze bleiben dagegen im Führungszeugnis unsichtbar, solange es keine weitere Verurteilung gibt.

Was bedeutet das für Sie?

Ein Erstkontakt mit der Polizei wegen Kokain endet in München nicht mit einer Verwarnung oder einer Einstellung. Das Gericht hat das ausdrücklich klargestellt. Wer einer Straftat mit Bezug zu Kokain beschuldigt wird, sollte sich anwaltlich beraten lassen.

Kokain in München: Was Staatsanwälte sagen

München ist einer der größten Umschlagplätze für Kokain in Bayern. Die Staatsanwaltschaft München I verfolgt Kokaindelikte konsequent, auch bei Kleinstmengen.

Wir werden mit Kokain geflutet.
Staatsanwalt Jakob Schmidkonz, Gruppenleiter im Bereich Betäubungsmittel bei der Münchner Staatsanwaltschaft, in: Susi Wimmer, Süddeutsche Zeitung, 29. März 2026.

Laut der Staatsanwaltschaft München ist Kokain inzwischen die Droge Nummer eins in der Landeshauptstadt. Der Reinheitsgrad hat sich drastisch verändert: Während Kokain früher stark gestreckt auf den Markt kam, liegt der Wirkstoffgehalt heute bei bis zu 95 Prozent. Gleichzeitig ist der Straßenpreis gesunken.

Die Folgen zeigen sich in der Statistik der Drogentoten: Im Raum München stieg der Anteil der kokainbedingten Todesfälle von 7 im Jahr 2020 auf 17 im Jahr 2025. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer strukturellen Veränderung des Marktes.

Vergehen oder Verbrechen? Der Unterschied bei Kokain

Das Betäubungsmittelgesetz unterscheidet nach der Menge des Kokains. Diese Unterscheidung bestimmt, ob ein Pflichtverteidiger zwingend ist und wie hoch die drohende Strafe ausfällt.

Vergehen

§ 29 BtMG

Kokainbesitz, Eigenkonsum, einfacher Handel. Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren. Kein zwingender Anspruch auf Pflichtverteidiger.

Verbrechen

§ 29a BtMG

Handel mit Kokain in nicht geringer Menge. Mindeststrafe: 1 Jahr Freiheitsstrafe. Höchststrafe: 15 Jahre. Anklage zum Schöffengericht. Pflichtverteidiger zwingend.

Mengenstufen bei Kokain

Das BtMG unterscheidet drei Mengenstufen. Bei der geringen Menge kommt es auf das Gesamtgewicht an. Ab der Normalmenge zählt der Wirkstoffgehalt. Gemeint ist das reine Kokainhydrochlorid. Vom Gesamtgewicht wird also das Streckmittel abgezogen.

Grenzwerte und Strafmaße für Kokain nach dem BtMG
Mengenstufe Grenzwert (Wirkstoff) Rechtsfolge
Gering Bis 3 Konsumeinheiten. Der Mindestwirkstoffgehalt darf günstig geschätzt werden (BayObLG, B.v. 18.05.1999, 4St RR 104/99). Vergehen § 29 BtMG
Einstellung nach § 31a BtMG gesetzlich möglich, wird in München aber nicht gemacht. Bestrafung im Ergebnis: 60 Tagessätze Geldstrafe.
Normal Oberhalb der geringen Menge, unterhalb von 5 g Kokainhydrochlorid. Vergehen § 29 BtMG
Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren. Die Höhe richtet sich nach der Wirkstoffmenge.
Nicht gering Ab 5 g Kokainhydrochlorid. Verbrechen § 29a BtMG
Mindestens 1 Jahr Freiheitsstrafe. Pflichtverteidiger zwingend.

Quelle: Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, zusammengestellt in: Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, Sachstand WD 7-3000-084/19, 28. Mai 2019.

Wann es auf den Wirkstoffgehalt ankommt

Die Schuld des Täters ist Grundlage für die Zumessung der Strafe (§ 46 Abs. 1 Satz 1 StGB). Die Menge des Betäubungsmittels bestimmt wesentlich die Strafe. Die Höhe der Strafe bestimmt sich aber nicht nach der Menge allein. Das ist wichtig zu wissen, weil die Menge manchmal nicht wirklich bekannt ist.

BGH Az. 6 StR 117/22 · 31.05.2022 · openJur
Vor diesem Hintergrund kann dahinstehen, ob dem Wirkstoffgehalt bei Kleinstmengen von Betäubungsmitteln (§ 29 Abs. 1 und 3 BtMG) überhaupt bestimmende Bedeutung für die Strafbemessung zukommen kann. Der Senat verneint diese Frage.

Bei Kleinstmengen kommt es nach dem BGH nicht auf den genauen Wirkstoffgehalt an. Entscheidend ist das Tatbild: Umfang der Absatzgeschäfte, Tatfrequenz, Art der Drogen und bewusst zur Schau gestelltes Handeln mit Kokain auf öffentlichen Plätzen.

Kokain und Führerschein: Warum Sie nichts sagen dürfen

Wer gegenüber der Polizei den Konsum von Kokain einräumt, dem wird nach dem Strafverfahren die Fahrerlaubnis entzogen. Das geschieht unabhängig davon, ob Sie jemals unter Kokaineinfluss gefahren sind.

Das Verwaltungsrecht kennt bei Kokain keine Toleranz. Bereits einmaliger Konsum genügt für den Entzug der Fahrerlaubnis. Anders als bei Cannabis gibt es keinen Grenzwert, der gelegentlichen Konsum erlaubt. Jede Angabe zum Kokainkonsum gegenüber der Polizei führt in der Praxis zur Meldung an die Fahrerlaubnisbehörde.

BayVGH München Az. 11 CS 19.669 · 04.06.2019 · openJur 2020, 50665
Die Entziehung der Fahrerlaubnis ist bereits dann gerechtfertigt, wenn einmalig harte Drogen, wie hier Kokain oder Crack, im Körper des Fahrerlaubnisinhabers und damit deren Einnahme nachgewiesen worden sind oder wenn der Fahrerlaubnisinhaber die Einnahme solcher Substanzen eingeräumt hat. Eines Nachweises, dass der Betäubungsmittelkonsum zur Fahruntüchtigkeit geführt hat, bedarf es folglich nicht.

Nr. 9.1 der Anlage 4 zur FeV. Ständige Rechtsprechung des 11. Senats des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs.

Machen Sie keine Angaben zum Kokainkonsum

Sie haben das Recht zu schweigen. Nutzen Sie es. Sagen Sie der Polizei, dass Sie keine Angaben zur Sache machen und einen Anwalt kontaktieren möchten. Eine einzige unbedachte Aussage zum Konsum reicht aus, um den Führerschein zu verlieren. Das betrifft auch Personen, die niemals Auto gefahren sind, während sie unter Kokaineinfluss standen.

Einziehung der Taterträge: Nach dem Gefängnis kommen die Schulden

Wenn dem Angeklagten eine Verkaufsabsicht nachgewiesen wird, strebt die Staatsanwaltschaft die Einziehung der Taterträge nach §§ 73 ff. StGB an. Das bedeutet: Das Gericht verurteilt den Angeklagten zur Rückzahlung des gesamten Umsatzes aus dem Kokainhandel. Nicht nur des Gewinns, sondern des vollständigen Umsatzes. Mit der Gefängnisstrafe ist es also nicht vorbei. Es bleiben hohe Schulden. Hat der Verurteilte das Geld bereits ausgegeben, bleibt er zur Zahlung verpflichtet (§ 73c StGB, Einziehung des Wertes von Taterträgen).

Wie ein Kokainverfahren in München abläuft

Das Strafverfahren durchläuft mehrere Stationen. Wir meistern diese Phase als Team. Rechtsanwalt Mario Jagar steht Ihnen als Strafverteidiger zur Seite.

1. Festnahme oder Durchsuchung

Meistens eröffnet Kommissar Zufall die Ermittlungen. Beispielsweise wenn eine Person im Vollrausch nach dem Besuch der Wiesn am Hauptbahnhof auf die Idee kommt, noch etwas Kokain zu kaufen. Dann kommt es zu einer Festnahme und einer Hausdurchsuchung. Die Polizei findet zuhause noch mehr Kokain. Das Smartphone wird beschlagnahmt. Das Smartphone ist der größte Verräter. Darin finden sich dann erst die wirklich schlimmen Dinge.

2. Beschuldigtenvernehmung

Die Polizei will Sie als Beschuldigten vernehmen. Sie haben das Recht zu schweigen. Machen Sie von diesem Recht Gebrauch. Jede Aussage, die Sie in dieser Phase machen, wird später gegen Sie verwendet. Die Polizei wird Ihnen versichern, dass eine Aussage Ihnen hilft. Das stimmt in aller Regel nicht. Auch wenn die Beweislage angeblich erdrückend ist: Geben Sie niemals während laufender Ermittlungen ein Geständnis ab und hängen Sie keine anderen Leute hin. Es lohnt sich nicht.

3. Anklage und Hauptverhandlung

Bei einfachem Kokainbesitz (§ 29 BtMG) wird das Verfahren häufig per Strafbefehl oder vor dem Strafrichter am Amtsgericht erledigt. Bei Handel mit Kokain in nicht geringer Menge (§ 29a BtMG) erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage zum Schöffengericht. Das Schöffengericht besteht aus einem Berufsrichter und zwei Schöffen.

Sie bezahlen Ihren Strafverteidiger im Wesentlichen für die Hauptverhandlung. Es geht um die Abwehr der Gefängnisstrafe. Die nicht geringe Menge Kokain bringt nach § 29a BtMG mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe. Nach § 56 Abs. 1 StGB gibt es Bewährung, wenn die Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr verhängt wird. Wird eine Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr und bis zu maximal zwei Jahren verhängt, kann es nach § 56 Abs. 2 StGB Bewährung geben, wenn besondere Umstände vorliegen.

Häufige Fragen zu Kokainverfahren in München

Klare Antworten auf die Fragen, die mir Mandanten am häufigsten stellen.

Welche Strafe droht bei Kokain?

Bei geringer Menge mindestens zwei Monatsgehälter Geldstrafe. Aufgrund des mittlerweile sehr hohen Wirkstoffgehalts in München droht schon bei einer Bruttomenge um die sechs Gramm eine Freiheitsstrafe.

Verliere ich meinen Führerschein wegen Kokain?

Bei Kokain reicht bereits einmaliger Konsum für den Entzug. Machen Sie daher keine Angaben zum Konsum gegenüber der Polizei.

Was ist die Einziehung der Taterträge?

Wenn dem Angeklagten eine Verkaufsabsicht nachgewiesen wird, ordnet das Gericht die Einziehung der Taterträge nach §§ 73 ff. StGB an. Der Angeklagte wird zur Rückzahlung des gesamten Umsatzes aus dem Kokainhandel verurteilt, nicht nur des Gewinns. Das gilt auch dann, wenn das Geld längst verbraucht ist (Wertersatzeinziehung, § 73c StGB). Nach der Gefängnisstrafe bleiben hohe Schulden.

Wann habe ich Anspruch auf einen Pflichtverteidiger bei Kokain?

Bei einem Vorwurf nach § 29a BtMG (Handel mit Kokain in nicht geringer Menge) besteht ab Anklageerhebung zum Schöffengericht zwingend Anspruch auf einen Pflichtverteidiger, weil eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr droht (§ 140 Abs. 1 Nr. 2 und Nr. 5 StPO). Außerdem wird ein Pflichtverteidiger bestellt, wenn Untersuchungshaft angeordnet wird. Bei einfachem Kokainbesitz nach § 29 BtMG gibt es in der Regel keinen Pflichtverteidiger, weil nur eine Geldstrafe droht. Wichtig: Sie benennen Ihren Anwalt selbst. Tun Sie das, bevor das Gericht einen auswählt.

Was darf ich der Polizei bei einer Kontrolle sagen?

Reden Sie nicht mit der Polizei. Die Beamten werden versuchen, Sie in ein Gespräch zu verwickeln. Das geht niemals gut für den Beschuldigten aus. Wenn Sie oder einer Ihrer Bekannten festgenommen wurde, dann rufen Sie 0174 855 99 76 an. Auch am Wochenende. Auch um 3 Uhr nachts.

Kokainverfahren in München?

Ich sage Ihnen sofort, was auf Sie zukommt und was jetzt zu tun ist.

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Was nach Ihrer Nachricht passiert:

  • 1 Sie schreiben mir per SMS oder E-Mail. Ich melde mich innerhalb einer Stunde.
  • 2 Ich erkläre Ihnen, was der Vorwurf bedeutet, welche Strafe konkret droht und was jetzt zu tun ist.
  • 3 Wenn Pflichtverteidigung in Frage kommt, beantrage ich die Beiordnung beim zuständigen Gericht.
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